Was mir einen sicheren Stand gibt

Geht nicht? Gibt’s nicht! Gerade weil ich nicht gut zu Fuß bin. „Kein Rollstuhl, kein Gehstock (geht’s noch? So eine uncoole graue Krücke …)!“ – schon als Teenager habe ich das gesagt. Ich will auf eigenen Beinen durch’s Leben gehen. Auch wenn ich mich natürlich das ein oder andere Mal hingelegt habe. Was mich gelehrt hat: Fällst du hin, dann steh’ wieder auf!

Was mir Sicherheit im Leben gibt, ist die Entdeckung meiner Superkraft: Mein Handicap gibt mir die Magie, einen besonderen Zugang zu den Menschen zu finden. Ich habe die Chance, anders mit den Menschen in Verbindung zu treten. Ich habe die Chance, in besonderen Maß zu lernen, auf meine eigene Kraft zu vertrauen und niemals aufzugeben.

Reise mit schmalem Gepäck

Wo immer es im Unternehmen brannte, war ich als Personalvertretung vor Ort. Das konnte Berlin, Stuttgart, Wolfsburg oder sonst wo sein. Ich musste und wollte hin. 6 Jahre, 4 Tage in der Woche bundesweit unterwegs. Barrierefreiheit? Pustekuchen. Rein in den Zug, raus aus dem Flugzeug. Vollbepackt durch die Menschenmenge – jetzt bloß nicht auf die Nase fallen. Auf verschneiten Bahnhöfen, in überfüllten Flughäfen, zwischen kurzen Stopps und hektischen Wegen zum Anschluss habe ich gelernt: „Reise mit schmalem Gepäck! Denke um die Ecke: Wenn dir die normalen Wege nicht möglich sind, finde andere. Hilf dir selbst – und wenn das nicht funktioniert, sei dir nicht zu schade, andere um Hilfe zu bitten!“ 

Es war einfach so: In einem Umfeld von Gehenden war ich immer der schlecht Gehende. Deswegen musste ich gedanklich immer ein paar Schritte voraus sein.

Reise mit schmalem Gepäck

Ich habe meine Frau im beruflichen Umfeld kennengelernt. Als sie das erste Mal in mein Arbeitszimmer trat, begutachtete sie meine Bücher in der Bücherwand: Eine Menge Bücher aus dem Bereich Wirtschaftspsychologie. Viele Bücher aus der Personalentwicklerecke. Sie nahm ein Buch aus dem Regal heraus und sagte dann:

„Mensch, gut, du liest ja auch spirituelle Bücher!“ – „NEEEE!“, gab ich gleich empört zurück, denn bei „spirituell“ ging mir gleich das Kopfkino los und grüne Hexen tobten durch den Wald und tanzten ums Feuer, „DAS tue ich nicht!“ – heute muss ich über diesen Moment schmunzeln, denn Quantenphysik, buddhistische Psychologie und das Wissen um die Macht unserer Vorstellungskraft finden erst jetzt den Weg aus der Spiritualitätsecke heraus.

Nicht zuletzt durch meine Frau habe ich erfahren, dass in meiner Arbeit, meinem Coaching, meinem Leben, diese Aspekte eine spannende Ebene der Bereicherung darstellen.

Wirtschaftspsychologie trifft auf Spiritualität

Die Menschen auf meine Weise zum Tanzen bringen

Die Menschen zum Tanzen bringen

Ich war DJ. In den Raum hineinzuhorchen, zu spüren, was die Leute packt, sie bewegt, das liebte ich. Konnte ich auch nicht selbst tanzen, so konnte ich die Menschen doch zum Tanzen bringen. Und so war ich mit meinem Bruder zusammen in Sachen Musik unterwegs. Das hätte ich nicht erlebt, wenn ich mich lange damit aufgehalten hätte, mich wegen meines Nicht-Tanzen-Könnens zu grämen.

Ich war mein ganzes Leben ehrgeizig. Und ich war mit ehrgeizigen Menschen zusammen. Meine Freunde waren richtige Sportskanonen. Und das hat mich angespornt, im Rahmen meiner Möglichkeiten das Beste aus mir herauszuholen. Ich ging ins Fitnessstudio. Was Trainingseinheiten angeht, war ich eher unerschrocken unterwegs.

Heute trainiere ich daheim. Und unerschrocken sind eher meine Frau und die Kinder (zwei Mädels und ein Junge) unterwegs, wenn ich einer weiteren Leidenschaft nachgehe: Dem Kochen. Denn ich bin kein Rezeptkocher. Ich koche aus dem Handgelenk. Aber bislang scheint es ihnen geschmeckt zu haben. Mein größer Erfolg: Meine Frau hat erkannt, dass Bananen im Essen echt lecker sind. Rufen Sie mich an, ich verrate Ihnen gerne mein Rezept.

Unerschrocken unterwegs

Der X-Faktor macht es spürbar

Meine Frau ist der X-Faktor in unserem Team. Sie bewegt mich. Sie hat mir erst wirklich bewusst gemacht, wie wichtig es ist, hinter die Kulissen zu schauen. Bei unserem ersten Date habe ich ihr 15 Dinge aufgezählt, die ich nicht kann. Sie sagte nur: „ Interessiert mich nicht, wir können doch alles machen. Nur eben anders!“

Ich liebe ihre Hochsensibilität. Sie macht alle Nuancen spürbar. Und im Coaching, in unseren Seminaren geht es genau um dieses Feintuning. Sie ist mein Plus an Herzigkeit, das mich vollständig macht. Sie ist für mich die kritischste Qualitätssicherung, der herausforderndste Partner. Sie ist die, die mir so richtig Lust macht, zu leben und offen für Neues zu sein.

Der erste gemeinsame Urlaub mit ihr und ihren zwei Mädels, die sie in mein Leben mitbrachte, ging nach Österreich: Ein Wanderurlaub. Ich war zwar durch mein jahrelanges Krafttraining körperlich gut unterwegs, aber wandern …  „Wir können das!“ – so denkt meine Frau.

Der X-Faktor macht es spürbar

Der eigene Rhythmus

Ich stehe gerne früh auf. Genieße den Sound der Stille, wenn noch alle schlafen, wenn der Raum noch kühl und der Cappuccino heiß ist. Aber ich bin kein „Der frühe Vogel …“-Typ. Mein Motor springt erst nach einer Weile an. So richtig in Fahrt komme ich erst, wenn die Sonne gen Zenit unterwegs ist. Und die Abendstunden sind für mich oft eine sehr produktive Zeit. Dass ich mein Fernstudium in Wirtschaftspsychologie in der Nacht absolviert habe, kommt nicht von ungefähr.

Der eigene Rhythmus

So richtig mit meinem eigenen Rhythmus meinen Frieden geschlossen habe ich aber erst durch meinen Sohn: Er hat seine stärkste Phase am Abend und er hat die Fähigkeit, seinen eigenen Biorhythmus zu erkennen. Er packt um 20 Uhr das Vokabelheft aus und die Vokabeln sitzen dann aber auch. Ihm einen anderen Rhythmus überzustülpern, wäre kontraproduktiv.

Warum ich keinen Porsche fahre

Ich war 19, 20 Jahre alt. Ein Grillabend mit Freunden, wir hatten durchgezecht. Am nächsten Tag, wir machten eine Pause beim Aufzuräumen, stöberten ein Freund und ich im Netz rum und klickten uns auch durch ein paar Partnerbörsen, lasen Anzeigen attraktiver Mädchen und Frauen. Eine Hübsche war dabei, die hatte in ihre Anzeige geschrieben, sie sei gehandicapt. Meinem Freund rutschte spontan heraus: „Mensch Thomas, ich habe eine Frau für dich!“ Das lief mir aber nicht rein: „Nee, das kann ich mir nicht vorstellen, einen schiefen Fuß habe ich selbst!“ – und da sagte mein Freund berechtigterweise: „Hey, du bist vielleicht ein arroganter Sack!“

Das gab mir zu denken. Und deswegen glaube ich heute, dass ich bei meinem ganzen Ehrgeiz, wenn ich gehen könnte, wie jeder andere auch, so ein arroganter Businesstyp wäre, der mit seinem Porsche prahlt. Ich bin froh, dass ich mein Handicap habe.

Warum ich keinen Porsche fahre

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