Wie Sie in stürmischen Zeiten Haltung bewahren

Nur an seinen Fingerkuppen hängt er an der Steilwand. Sein ganzer Körper drückt die Konzentration aus, in der sich der Freikletterer befindet. Die Anstrengung, für seine Muskeln, seine Körperspannung, mental, ist enorm. Den Point of no return hat er schon erreicht – für eine sichere Rückkehr an seinen Ausgangspunkt ist es zu weit. Er muss das Plateau erreichen. Da schlägt das Wetter um … 

Wind kommt auf, rüttelt an ihm. Wie geht es jetzt weiter?

Wie geht es für Sie weiter, wenn bei Ihnen im Leben, in Ihrer Arbeit, das Wetter umschlägt? Wenn es stürmisch wird. Sie plötzlich an Ihre Leistungsgrenze gebracht werden. Wenn Überforderung und Absturz drohen. Darum geht es in meinem Blog für Sie …

Haltung bewahren

Ich weiß, wie hart der Freikletterer an sich arbeitet, denn diese Geschichte von einem prekären Moment erzählte er mir im Fitnessstudio, in dem auch ich trainierte. 

Was er im Fitnessstudio aber nicht trainieren konnte, war das, was ihn letztlich die Herausforderung an der Steilwand bestehen ließ: Die Haltung. Eine innere Statik, die ihn aufrecht hält, auch wenn der Sturm an ihm rüttelt. Die dafür sorgt, dass er nicht in Panik gerät, sondern seine Kräfte bündeln kann. Die ihn sein Ziel nicht aus den Augen verlieren lässt.

Die Wetteränderung kann er nicht beeinflussen. Aber seine Sicht auf diese Situation, die kann er beeinflussen. Und an seiner Sicht auf die Dinge hat er gearbeitet: Er weiß, er hat alles getan, was er tun kann, um am Berg zu bestehen. Er hat sich so gut vorbereitet, wie es geht. Er hat eine Einstellung des Vertrauens in sich und seine eigene Stärke, die ihn zum Gipfel bringt.

Aber wie hat er das geschafft?

Mit Haltung führen

Diese Frage – „wie finde ich das Vertrauen in meine eigene Stärke, die Haltung die mich standfest macht“ – stellt sich meines Erachtens verstärkt in der Businesswelt. Klar, es gab immer Krisen, Herausforderungen, Veränderungen. Aber die Frequenz, die Geschwindigkeit, die Tiefe, in der die Menschen in den Unternehmen, nicht zuletzt die Führungskräfte, von der stürmischen Dynamik erfasst werden, ist extremer geworden. Und so ist bei vielen Menschen, die sich in einer Sackgasse fühlen, das Fehlen einer inneren Haltung, die Statik, ein wesentliches Problem, das ich angehe.

Denn ohne innere Haltung kommt niemand in unserer schnelllebigen Welt weit – auf jeden Fall nicht weit auf einem Weg, der ihm gut tut und auch zum Erfolg führt: Nehmen Sie zum Beispiel eine Führungskraft, die schnell entscheiden muss, die Verantwortung für viele Menschen trägt. Wenn diese keine innere Haltung hat, die ihr eine Richtung weist, muss sie jedes Mal erst einmal nachgrübeln, was sie will, wo sie steht. Das verzögert die Handlungsfähigkeit. Das sorgt für einen Zickzack-Kurs bei Entscheidungen. Das schwächt das Vertrauen der Mitarbeiter in die Führungskraft. Nur wer mit Haltung führt, führt gut.

Haltung ist ein Zufluchtsort

Als innere Haltung bezeichnet die Psychologie die Einstellung, mit der Menschen mit ihrer Umwelt agieren, sie wird geprägt von Werten, Erfahrungen, von Aktivität oder Passivität. Ein anderer Begriff für innere Haltung ist psychische Resilienz. 

Für mich ist die innere Haltung mein Zufluchtsort, mein Haus, in dem ich mich sicher fühle, in dem ich alle meine Haltepunkte. Hier wirft mich nichts von den Beinen. Hier komme ich nicht vom Regen in die Traufe. Meine innere Haltung ist mein Unterstand. Und ich bin mir sicher: Ohne diese Haltung, die ich mir in meinem Leben, mit meinen Erfahrungen, mit mentalen Übungen, die Stück für Stück meine Statik verbessert haben sähe mein Leben anders aus (auch meine Arbeit, denn die Vielfalt an Übungen, das Einnehmen immer neuer Blickwinkel, floss auch in meine Methode ein).

Heute wirft mich so leicht nichts mehr aus der Bahn. Aber das war nicht immer so. Ich musste das erst lernen. Trainieren. Als Mensch. Mann. Vater. Coach. Gehandicapter.

Hänge ich durch und ein Sturm kommt auf, so liegt mein Fokus heute nicht auf dem negativen Moment des Prekären, sondern ich blicke nach vorne, sammle mein Fähigkeiten, ziehe aus meinen Erfahrungen meine Stärke, gehe voran.

Eine dieser Übungen, die Ihre innere Haltung stärken können, möchte ich Ihnen gerne heute mitgeben. Eine einfache, aber effektive Übung, für die Sie kein Fitnessstudio, keine Yogamatte brauchen. Stellen Sie sich bitte hin, die Beine schulterbreit auseinander, die Hände in die Hüften. Spüren Sie Ihre Wirbelsäule, schieben Sie Ihre Brust raus und dann sagen Sie sich selbst laut und vernehmlich: „Das bin ich! Das ist mein Gebäude!“

Ich bin gespannt, wie sich dadurch Ihre innere Haltung verbessert. Schreiben Sie mir doch einmal von Ihren Erfahrungen.

Ihr Thomas Kölblin-Herzig

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