Warum Führungskraft geworden - Thomas Kölblin-Herzig

Warum sind Sie Führungskraft geworden?

Was denken Sie, macht eine Führungskraft? 

Oder anders gefragt: Was macht eine Führungskraft aus? 

Ich denke, was eine Führungskraft macht, geht über ihre Fachkenntnis hinaus. Ja, das geht über Führungsthemen im engeren Sinn hinaus. 

Fachkenntnisse und das ganze Instrumentarium eines wirkungsvollen Leadership können Sie erlernen. Das passt zwischen zwei Buchdeckel oder auf Hörbuch, das Sie sich auf Ihrer Pendelstrecke zur Arbeit zu Gemüte ziehen können.

Viel wichtiger scheint mir die Frage: Wie fähig sind Sie, mental und auch körperlich, um mit den Herausforderungen klarzukommen, mit denen Führungskräfte zu tun haben?

Mit Leib und Seele Führungskraft

Diese Fähigkeit können Sie nicht so einfach erlernen: Denn dabei geht es um Menschenkenntnis. Um die Kenntnis der Menschen, die Sie führen wollen und sollen, und deswegen elementar um Ihr Bewusstsein von sich selbst.

In der Führungskräfteentwicklung wird viel zu technisch auf das Entwicklungspotenzial einer Führungskraft geschaut: Doch 80 Prozent der Themen, die beim Coaching von Führungskräften aufploppen, sind keine Themen im Kontext der Karriere.

Es geht im überwiegenden Fall um Probleme, welche die Persönlichkeit desjenigen betrifft, es geht um den Menschen in seiner Gesamtheit.

Was eine Führungskraft tut, kann sie nur tun, wenn sie voll und ganz dahintersteht. Mit Leib und Seele. Und das geht eben nur mit Offenheit und Klarheit.

Menschsein ist gefragt – und Ihre Werte

Die Probleme, die Führungskräfte zu Beginn unserer gemeinsamen Arbeit oft nennen, drehen sich um: „Mein Unternehmen erwartet von mir, diese oder jene Ziele zu erreichen, aber das überfordert mich.“, „Meine Frau beschwert sich, dass ich zu wenig Zeit mit der Familie verbringe.“, „Mein eigenes Leben, die Menschen, mit denen ich Zeit verbringen will, kommen zu kurz: Ich habe einen 48-Stunden-Job, arbeite eigentlich immer!“ 

Ich entgegne dann zum Beispiel: „Okay, das ist alles sehr belastend. Ich verstehe, dass Sie sich deshalb schlecht fühlen. Ich sehe es ihnen auch an, so gebeugt, wie sie vor mir sitzen, dass die Last sie niederdrückt.“ – aber dann stelle ich die eine wichtige Frage:

„Warum wollen Sie denn Führungskraft bleiben?“

Dann folgt zumeist eine Pause. Gerne auch umrahmt von zwei unwillkürlich vor der Brust verschränkten Armen, die mit einer insgesamt verkrampften Haltung einhergehen. Denn vielen Führungskräfte ist nicht wirklich bewusst, nicht ganz und gar und von vollem Herzen klar, warum sie diesen Weg gehen.

Ich werde bei der dieser Frage oft mit großen Augen angeschaut. So trivial die Frage, aber Ihre Antwort ist entscheidend für Ihre Arbeit als Führungskraft. Weil Sie nur dann den Sinn in Ihrem eigenen Tun erkennen. Weil Sie nur dann verstehen, welche Werte sie vertreten und wie sich diese Klarheit über das eigene Wertesystem bei der Arbeit auswirkt. Denn schließlich nehmen Ihre Mitarbeiter diese Klarheit und Unklarheit wahr … Können Sie aber in einem Satz Ihr persönliches Wozu formulieren, dann sorgen Sie für Vertrauen in Ihrer Person und Führungsstärke.

Ich bin mir sicher, dass dies der Weg ist, den heute eine Führungskraft gehen muss, um persönlich gestärkt zu werden und auch teamfähig zu sein.

Es braucht Führungskräfte, die sich ihrer Stärken und ihrer Schwächen bewusst sind. Führungskräfte, die sich nicht selbst blockieren.

Damit Führungskräfte durchatmen können

Deshalb gehört in meiner Coachingarbeit auch die Körperarbeit dazu: Weil sich mentale und psychische Blockaden auch körperlich manifestieren. Weil über den Weg des Körpers auch viele mentale und psychische Blockaden gelöst werden können.

Sitzt mir ein total verspannter, innerlich blockierter Mensch gegenüber, dann kann ich ihn mit Körperübungen lockerer machen, ihn in die Lage zu versetzen, sich selbst kennenzulernen und überhaupt herauszufinden, was bei ihm mit Leib und Seele los ist.

Zum Beispiel mit der Übung „Box-Atmung“ (ich kann Ihnen gerne per pdf diese Übung kostenlos zusenden, Sie finden Sie aber auch im Internet). 

Oder mit einer meiner Lieblingsübung „Lächeln bitte!“ Die ist super gerade bei einem Menschen, der sich im übertragenen Sinn gerade so richtig durch sein Leben durchbeißt und vor Anspannung mit den Zähnen mahlt: Probieren Sie es doch einmal aus. Schieben Sie sich einen Bleistift quer in den Mund und drücken Sie ihn so weit es Ihnen möglich ist in die Mundwinkel, das sieht dann aus, wie ein Lächeln. Das Schöne daran ist: Durch diesen erzwungenen körperlichen Ausdruck des Lächeln reagiert Ihr Körper, als wenn Sie lächeln: Es werden Glückshormone ausgeschüttet. 

Sie können einfach einmal besser durchatmen (natürlich erst, nachdem der Bleistift aus Ihrem Mund entfernt ist). Sie lassen los. Auch der Geist kann loslassen – und wenn Sie sich zum Beispiel gefragt habt: „Ja, warum tue ich mir den Stress eigentlich an, warum bin ich Führungskraft?“, dann ist das eine Möglichkeit, dass Sie Ihre Antwort klarer sehen können.

Ihr Thomas Kölblin-Herzig

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